Schwarzer Humor und schräge Typen

★★★★

Bevor ich mit meiner Rezension beginne, muss ich zunächst gestehen, dass ich mir weder das Buch – noch das Hörbuch – gekauft hätte, weil mich weder das Cover anspricht, noch der Titel. Die beiden Rabenkrähenvögel auf dem Cover, die vor dem alten Fernseher krähen, sprechen mich nicht an und haben auch nichts mit der Geschichte zu tun. Das Cover wirkt auf mich angestaubt und absolut nicht verkaufsfördernd. Den Titel finde ich auch daneben, denn es gibt hier nur eine Frau, die Bärbel heißt und nicht mehrere.

Trotzdem hat das Hörbuch mich gefunden und das war auch gut so. Denn der rabenschwarzhumorige Krimi (Sind deshalb die beiden Raben auf dem Cover?) um Bärbel Böttcher ist absolut gelungen und super spannend. Der rote Faden passt, die Handlungsstränge sind top und die Protagonisten werden so lebendig, als säßen sie einem leibhaftig gegenüber. Fast bis zum Schluss erfährt man nicht, wer wen ermordet hat und warum.

Das Ganze beginnt mit dem idealen Stöckchen für die Mischlingshündin Frieda. Leider ist das ideale Stöckchen nicht verfügbar, denn es steckt im Auge einer Leiche. Und diese Leiche befindet sich unglücklicherweise genau in „Bärbels Wald“. Bärbel und ihre Hündin Frieda wohnen einsam am Waldesrand und Bärbel kennt den Wald wie ihre Westentasche. Gelegentlich nimmt sie auch tote Tiere mit nach Hause, die sie dann ausstopft, denn Bärbel ist von Beruf Dermoplastikerin, so lautet die Fachbezeichnung. Haus und Grundstück hat Bärbel von ihren Eltern geerbt, deren Sachen auch noch alle da sind und im Obergeschoss seit Jahrzehnten gelagert werden. Bargeld in Mengen und Goldbarren gehören mit zum Sortiment. Im Keller befindet sich Bärbels Werkstatt und eine – mehr oder weniger genutzte – Garage gibt es auch. Aber da steht kein Auto drin, sondern nur ein abgehalfterter Rasenmäher. Denn Bärbel hat gar keinen Führerschein. Bärbel ist 54 Jahre alt, ziemlich verschroben, war schon immer kontaktscheu, trägt Miederhosen und karierte Blusen. Sie ist einsam, empfindet das aber nicht als Nachteil, sie meidet Menschen, isst gerne Fleisch und trinkt ausschließlich Milch. Die Milch enthält manchmal auch Anislikör.

Diese – seit Jahrzehnten – still vor sich hin funktionierende Lebenssituation gerät nun (nicht nur) durch den Fund der Leiche völlig aus den Fugen. Bärbel hat auch ein schönes Wort für die Leiche „das MAMIL“ = middle-aged-man-in-lycra, denn der männliche Tote trägt Sportklamotten. Vermutlich aus einem Lycra ähnlichen Gewebe.

Bärbel meldet den makabren Fund ordnungsgemäß bei der Polizei, obwohl sie von Behörden nicht viel hält.

Und damit geht dann die Post ab. Aber so richtig. Und fortan ist es mit Bärbels bis dato recht beschaulichem Leben vorbei. Aber gänzlich!

Schlag auf Schlag gerät Bärbel in immer aberwitzigere Situationen, muss am laufenden Band improvisieren (was sie ja gerade überhaupt nicht kann und was auch nie von ihr verlangt wurde!), muss ihre Marotten und eingefahrenen Gleise überwinden und manchmal auch blitzschnell agieren.

Mehr soll an dieser Stelle nicht verraten werden.

Fazit: Wer schwarzen Humor liebt und schräge Typen, der ist hier genau richtig. Jede noch so skurrile Situation wird so beschrieben, als wäre man als Zuschauer mittendrin im Geschehen. Die Protagonisten könnten unterschiedlicher nicht sein und es macht großen Spaß der Katja Riemann zuzuhören, die Bärbels Part – denn aus ihrer Sicht wird die Geschichte geschildert – bravourös ausfüllt. Den Hörbuchtext dazu: „Marie Reiners‘ Roman wird mit Katja Riemann zu einem hinreißend perfiden Hörkrimi.“, kann ich voll und ganz bestätigen, denn ich habe mich köstlich amüsiert.

Für den bescheuerten Titel und das angestaubte Cover ziehe ich einen Stern ab.

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.