Groschenroman trifft auf spannendes Tagebuch

★★★

Dein Leben gegen meins von Liv Constantine – Erstellungsdatum 17.03.2018

Zugegeben, ohne Leserunde wäre ich nicht über das erste Kapitel hinaus gekommen. Den Trick mit der Mukoviszidose-Zeitung im Fitnessstudio fand ich so klischeebeladen und zum Abgewöhnen, dass ich an der Stelle dachte, das tust du dir nicht weiterhin an.

Aber kommen wir zunächst zum Inhalt: Amber, armes Mädchen, ist neidisch auf reiche Leute, möchte auch reich sein. So beschließt sie, sich über o. g. Trick an reiche Frau, Daphne, heranzumachen.

Reiche Frau lässt armes Mädchen auch gleich bei sich übernachten (!!!) und wenig später verhilft sie Amber auch noch zu einem Job in der blühenden Firma ihres Mannes. Dann gibt es also noch den besagten Mann, Jackson, und zwei Töchter hat Daphne auch: Bella und Tallulah. Auch hier werden wieder jede Menge Klischees bedient. Bella ist hübsch und doof, Tallulah weniger hübsch und schlau. Also der erste Teil des Buches „Amber“ ist m. E. auf Groschenroman-niveau. Das geht so munter fort bis Seite 245. L L L (Das hier sollen drei Gähngesichter sein.)

Dann folgt der zweite Teil „Daphne“, es wechselt der Erzählstil in die Ich-Form. Das Niveau wechselt auch und schwingt sich wie ein Adler in die Höhe. Hier kam sicher die andere der beiden Autorinnen zu Wort, die besser das ganze Buch allein geschrieben hätte! Die Protagonistin Daphne erzählt und das liest sich wie ein super spannendes Tagebuch. Dem Leser erschließt sich sehr viel, worüber er sich im ersten Teil „Amber“ noch sehr gewundert hat und was nicht stimmig erschien.

Amber taucht in Daphnes Erzählungen erstmalig auf Seite 331 auf. Jedoch spielt sie hier zunächst keine große Rolle mit Ausnahme von Weihnachten auf den Seiten 349 und 350. Diese Seiten (245 bis 331) sind die stärksten des Romans. Man grübelt über die Ausweglosigkeit nach, in der sich Daphne befindet, diese Patt-Situation – wie kann sie nur entkommen? Für diese 86 geballten Spannungsseiten vergebe gerne ich die drei Sterne. Der dritte Teil ist wieder mager, vorhersehbar, klischeebeladen und dann: zack, aus ist die Maus, da war alles plötzlich zu Ende – hatten die Autorinnen keinen Bock mehr(?), nun.

Fazit: Aus der Geschichte hätte man wesentlich mehr herausholen können, wenn man die Schreiberin der oben genannten sechsundachtzig Seiten auch an den Rest ran gelassen hätte. Schade, viel verschenktes Potenzial.

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